Samstag, 27. Februar 2010

Augenoperation

AMD heißt Altersbedingte Macula Degeneration. Diese unschöne Krankheit erwischt fast alle über 70 Jährigen und kann zur Erblindung des Auges führen.

Ich bin 70 und es hat mich schon erwischt. Ich sehe zwar keine schwarzen Flocken und hab auch keine Blitze, aber das Testbild verbiegt sich bei jedem Auge. Bis das Auge sich wieder richtig erholt hat, dauert es 1/2 Jahr, bei zwei Augen ist also 1 Jahr beeinträchtigt. Wer weiß, wie hoch der Anteil an dem Leben ist, das ich noch vor mir habe. Und Zeit dafür hab ich natürlich auch nicht, ixh fahre mit den Senioren mit dem Bus nach Italien, ich und meine Frau feiern Geburtstag, ich bastle am Geburtstagsgeschenk für meine Frau und ich sollte ja auch noch in der Punkterunde Tennis mitmachen und schließlich noch zwei Hallenabos im Tennis managen. Aber als Blinder könnte ich das alles natürlich vergessen. Jetzt hab ich aber genug Krankheitsgeschichten erzählt. Ich habe einiges auf Sankt Nimmerlein verschoben, irgendwie sind alle froh, dass ich endlich unters Messer komme.

Samstag, 6. Februar 2010

Assistent für ältere Menschen

Einen Assistenten zu haben, der einem bei nachlassenden Fähigkeiten hilft, steht man einem alten Menschen meist erst zu, wenn er behindert ist. Frühe Demenz oder gar nur nachlassende händische Geschicklichkeit muss man eben ertragen.
Mich schränkt die nachlassende Sehkraft stärker ein als ich dachte. Ich sehe zu schlecht, um kleine Arbeiten im Haus machen zu können, z.B. eine Lampe richten, weil der Kontakt zur Birne verbogen ist oder so, wo man einfach sehen muss, was man machen soll.
Oder mit der Kettensäge umgehen. Das traue ich mir nicht mehr zu, weil ich ängstlicher geworden bin, es könnte etwas passieren.

Als Assistent reicht nicht immer ein Zivi, ich bräuchte einen handwerklich oder ergotherapeutisch geschulten Assi, der mir hilft, das zu tun, was ich mir vorstelle, aber nicht mehr zutraue.

Dienstag, 5. Januar 2010

Anfang

Das 4. Lebensalter kommt, für den einen später, für den anderen früher. Woran ist das zu erkennen und wie reagiere ich darauf?

Ich merke, dass es schon begonnen hat, ich sehe schlechter, ich muss mich operieren lassen, ich brauche Hilfe.

Die Kinder fragen:
"Wo sollen wir dir helfen. Oder:
Wo läßt du dir helfen? Stell doch eine Liste zusammen."

Ich zögere lange, eine Liste aufzustellen. Jetzt habe ich eine Liste zusammen. Es ist eine Vorgabe für mich geworden, was ich gerne noch machen will. Ich möchte mich ums Haus kümmern, ich möchte die Erinnerungen in der Familie pflegen sprich die Fotoalben auf den neuesten Stand halten, ich möchte noch etwas basteln.

Nach drei Tagen habe ich drei Aufgaben selbst geschafft. Ich ändere die Liste. Wenn das so weitergeht, bleiben nur noch wenige Punkte übrig, wo ich Hilfe brauche.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Vertrautheit durch Personalisierung

Ein Erfolgsrezept unseres Kulturreferenten ist das Kulturbonbon.
Die Besucher des Kleinen Theaters wissen nicht, was kommt, aber sie können sicher sein, dass eine Berühmthait von Film, Funk und Fernsehen kommt.
Das reicht, um dem Kulturreferenten jedesmal ein volles Haus zu bescheren.
Ich gehe zwar nicht zum Kulturbonbon, wende dieses Rezept ebenfalls an:

Süddeutsche Zeitung:
Wer ist die Person, die einen Kommentar abgibt?
Hat den Artikel mein Lieblingsautor geschrieben?
Ich habe z.B. als Lieblingsautoren Winkler und Hohlbein, ich lese gerne die Kommentare von Prantl, Unterstöger, Gottfried Knapp und Matzig. Besonders freue ich mich über Essays des evangelischen Theologen der LMU, Graf, den ich mal bei einer Tagung auf Schloß Elmau kennenlernte.

Ich frage mich bei den Städten, in denen ich aufgewachsen bin oder wo ich wohne, welche bedeutenden Personen lebten oder leben in der Stadt und beschaffe mir ihre Bücher, besuche Vorträge, um mit ihnen bekannter zu werden, schaue mir ihre Filme oder Fernsehauftritte an. Beispiele hierfür:
Garching: die Moderatorin Sandra Maischberger (WHG), der Autor Kumpfmüller(WHG), der EDV-Pionier Prof. Billing.
Altötting: Der Rundfunkmoderator Noe Noack, der Filmemacher Schmidt, der Autor Langbehn, General Tilly
Burghausen: der Bestsellerautor Vandenberg (Kürfürst Maximilian Gymnasium), die Filmschauspielerin Hannelore Elsner (KMG), der ehemalige Chefredakteur der SZ Herbert Rhiele Heyse (KMG)

Donnerstag, 5. November 2009

Stürze

Stürze sind eine der Erscheinungen des 4. Lebensalters.
Sie sind das erste Anzeichen irgendeiner Krankheit z.B. einer Krebserkrankung, einer Kreislaufkrankheit oder einer Unverträglichkeit von Tabletten und Alkohol.
Ich stürze gerne bei jeder Unebenheit am Erdboden z.B. ein Pflasterstein steht vielleicht einen Millimeter aus dem Bürgersteig, ich stolpere darüber. Ohne irgendeinen Alkohol, die Begleiter vermuten gerne, er hat getrunken. Beim Wandern schreien mir die Mitwanderer besorgt zu:
"Watch your step!"
Mein Kollege ist vorgestern die Kellertreppe hinuntergefallen., völlig ohne Alkohol. Als wir noch in Neufahrn wohnten, mehrten sich die Treppenstürze in der Reihenhaussiedlung. Eine Kollegin meiner Frau stürzte sich zu Tode vom ersten Stock ins Erdgeschoß, unser Nachber ebenso.
Meine Schwiegermutter hatte einen Unfall mit Sturz, keine 6 Monate darauf stellte der Arzt einen Zwölffingerdarmkrebs fest, der innerhalb 12 Monate zum Tode führte.
Ich selbst stürzte vor 15 Monaten in Dresden auf dem Gehsteig, weil ein Pflasterstein 1 Millimeter höher lag als seine Genossen.
Ich stürzte bei einer Nachtfahrt vom Rad und riß mir die Bänder der linken Schulter, vor 2 Wochen stürzte ich beinahe in den Mühlbach , weil ich mit einer Hand verhindern wollte, dass eine Folie vom Gepäckträger fiel, in den ich die Folie leichtsinnigerweise geklemmt hatte. Der Lenker schlug ein, und ich wäre beinahe mit dem Rad in den Bach gefahren. Ich habe noch gespottet:
"Mein Fahrrad ist nicht nur ein Tiefeinsteigerfahrrad, sondern auch ein Schnellabsteigerfahrrad."

Ich glaube, ich stehe an der Schwelle zum, 4. Lebensalter, dessen Kennzeichen die Vielzahl der Stürze ist.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Schreiben nach einem Buch.

Bis zum 4. Lebensalter haben sich eine Menge Geschichten angesammelt, die es wert wären, niedergeschreiben zu werden. Aber wo anfangen und wo aufhören?

Ein erfolgreiches Geschichtenbuch könnte eine Anregung sein. Für mich war es Italo Calvinis "Marcovaldo", was mich ansprach. Nicht zuletzt die Vignetten in dem Buch regten mich an.

Meine Geschichten sind kürzer, aber sie haben irgendwie einen ähnlichen Kern.
Marcovaldo verirrt sich im Nebel, ich verliere den Weg im Schnee direkt neben dem üblichen Radlweg, weil ich eine Abkürzung machen will.
Marcovaldo wird im Flugzeug nach Indien fliegen, ich wäre beinahe neben dem Pfad im Schnee eingeschlafen, so erschöpfte ich mich, wieder auf den Weg zurückzufinden.

Donnerstag, 3. September 2009

Erscheinungen

Ein Ausflug des Seniorentreffs führt uns in eine kleine Kirche. Eine Nonne macht die Führung und erklärt, dass sei eine der wenigen Kirchen , wo der Abschied nicht als Höllengang dargestellt werde, sondern als friedlicher Abschied: so hält die Kirchenheilige den sterbenden Sifter der Kirche in ihren Armen und geleitet ihn hinüber.
Sie lächelt als sie erzählt:
Mich hat ein neugieriger Journalist gefragt; ob ich keine Erscheinungen hätte.
Ich zögerte, um schließlich zu antworten:
"Doch ich habe Erscheinungen, Alterserscheinigungen."

Mich regt der Besuch zu einem Gedicht an:

"Ich hab einen Kamerden,
einen bessren findst du nicht.
Wenn meine Stunde schlägt,
er mich in seinen Armen hält,
und mich hinüberträgt
in die andere Welt."

Ich denke aber eher nicht an die Heilige, da ich kaum eine ganze Kirche stifte, eher an den Film Alexis Sorbas, wie die ältere Frau in den Armen von Sorbas stirbt.